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artplace.de Welf Schiefer – Wunderbare Figuren, 2015

11.2015

Welf Schiefer

Blog

Welf Schiefer – Wunderbare Figuren

Mit freundlicher Ironie, verschmitzter Verspieltheit, mit Liebe zum skurilen Detail rettet Welf Schiefer seine Figuren aus der aussichtslosen Situation, in die er sie zuerst gestellt hat,

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Seine ersten Kunst-Aktivitäten finden statt im Schutz der Dunkelheit. Welf Schiefer beginnt als Sprayer. Sprayer sein, das heißt aufpassen, sprayen, Angst haben, weiter sprayen und dann schnell weglaufen. Auf das Selbststudium an der Wand folgt ab 2003 das Studium der angewandten Kunst. Welf Schiefer studiert Grafikdesign an der Hildesheimer „Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst“ (HAWK). Sein wichtigster Lehrer ist Professor Bernd Frank, ein Spezialist für Plakatgestaltung. Bei Paul Kunofski studiert er drucktechnische Grundlagen – die der Lithographie, der Serigraphie , des Linolschnitts, der Radierung. Die Radierung hat es ihm besonders angetan. Mit dem Künstlerbuch „Nur ein Weilchen“, den Mythos des Hannoverschen Serienmörders Haarmann in einer Grafikserie ausfabulierend, schließt er 2009 sein Studium ab.

Welf Schiefer zieht seine Sujets und Figuren aus den verschiedensten Bildmedien, findet sie in Tageszeitungen, Illustrierten oder im Bildertrash der Werbung. Kunstgeschichtliche Rückgriffe, Vorbilder ergänzen und strukturieren dieses Ausgangsmaterial; unübersehbar in Schiefers Bildern sind Anspielungen auf Max Ernsts surreale Montagen von Illustrationen aus Trivialmedien; oder auf den kritisch-sarkastischen Zeichenduktus von George Gross oder Otto Dix. Im Zentrum seiner oftmals karikatural zugespitzten Szenerien stehen halsbrecherisch gewagte, nicht selten hochgradig groteske Figuren – Menschen- und Tierfiguren. Auch die Tiere – und gerade sie – sind exemplarische Darsteller der condition humaine. Schiefer zeichnet sie, als seien sie ebenso kuriose wie marode Marionetten ihrer selbst – Unglückskandidaten in aussichtslosen Situationen. Doch bevor diese Figuren vollends in zynischer Bösartigkeit und Hoffnungslosigkeit zu Grunde gehen, werden sie gerettet – von Schiefers eigentümlichem Zeichenduktus. Die Menschen-Figuren, aber eben auch die Mäuse, Schafe, Hunde, Hühner als Menschen-Figurationen werden gerettet wie bei einem happy end, dessen Künstlichkeit man im Augenblick der Rettung so sehr begrüßt wie vergißt. Denn Schiefers Zeichenduktus kommt seinen hart geprüften Figuren am Ende zur Hilfe. Mit freundlicher Ironie, verschmitzter Verspieltheit, mit Liebe zum skurrilen Detail rettet er seine Figuren aus der aussichtslosen Situation, in die er sie zuerst gestellt hat. Eigentlich stehen sie kurz vorm Abgrund – aber nun machen sie eine – im doppelten Sinne- wunderbare Figur.Ein Sujet kommt der zeichnerischen Fabulierkunst von Welf Schiefer besonders entgegen: der Zirkus bzw. der Mythos des Zirkus. Hochgetriebene Künstlichkeit und gleichzeitig die Drohung des brutalen Scheiterns, des unfreiwilligen freien Falls, produzieren hier eine Spannung, die zur zentralen Kraft wird bei der Darstellung der problematischen Existenz des Menschen.

Prof. Dr. Jan Berg

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