Werkbeschreibung

»Die vitale Konstruktivität ist die Erscheinungsform des Lebens und das Prinzip aller menschlichen und kosmischen Entfaltungen. In die Kunst umgesetzt bedeutet sie heute die Aktivierung des Raumes mittels dynamisch konstruierter Kraftsysteme...
Mit den Problemen dieses Kraftsystems hängt das Problem der im Raum frei schwebenden Plastik und des Films als projizierter Raumbewegung eng zusammen.«

Moholy-Nagy

 

Frühe Arbeiten

Ab 1978 entstehen eine Reihe von Objekt-Bildern, die das Verhältnis des Bildes zur Wand und zum Raum thematisieren und die zugleich Teile der Wand und des Raumes bilden. Das Bild kann sowohl aus einer gemalten Bildfläche bestehen wie auch aus industriell angefertigten Elementen, wobei sich die einzelnen Bildteile in einem dialektischen Verhältnis zueinander befinden. Ich löse das rechtwinklige Bildformat auf. Transparente Materialien werden auf das Bild montiert und Lichtfiguren an die Wand projiziert. Immer nimmt das Bild einen direkten Bezug zur Wand, jedoch bleibt gleichzeitig seine Selbständigkeit gewahrt. Hierbei unterstützend wirken die Struktur des Malauftrages, die Farbe selbst und die rhythmische Gliederung der Fläche. Es entsteht eine Räumlichkeit des Bildes, die dem realen Raum entflieht und eine Gegenwelt setzt.
Im Laufe der Arbeit konzentrieren sich die Bilder auf ein inneres Zentrum, von dem aus sich das Bild öffnet bzw. regelrecht ausbricht. Dieses Energiezentrum bilde ich plastisch aus und im nächsten Arbeitsschritt wird dies alleine Gegenstand meiner Bildfindung.

 

Skulpturen

Ab 1982 entsteht die Werkgruppe mit dem Titel »Bildwerke«. Es sind dies aus Holz und Farbe gefertigte Skulpturen, die aus der zweidimensionalen Fläche herausgearbeitet werden. Sie gehen aus von der Wandfläche, dringen nach vorne in den Raum auf den Betrachter zu und ziehen sich von dort wieder zurück auf einen konzentrierten inneren Bereich, wo die Farbe die Materie auflöst bzw. die Farbe zum Licht geführt wird. Es sind dies von mir gebaute Skulpturen, die im Gegensatz zu den früheren Arbeiten zu einer organischen Form hinwachsen. Die Formfindung erreiche ich mit und durch die in das Holz hineingearbeitete Farbe, wobei die Farbe den Ausgangspunkt für die skulpturale Bewegung bildet. Sie ist quasi das Zentrum der Verwandlung, einer Verwandlung vom Raum zur flächigen Form, von einer auf den menschlichen Körper bezogenen Größe hin zu einer etwas größeren oder etwas kleineren Erstreckung der skulpturalen Geste, von linienhaften Energiebahnen zu flächigeren Skulpturenteilen, von den skulpturalen Teilstücken hin zur Form als Ganzes. Immer bleibt jedoch für mich das Ziel der Verwandlungen, einen Ort der Ruhe zu bestimmen. Die Skulptur ist deutlich begrenzt. Dennoch entzieht sie sich dem erfassenden Blick. Der Blick ist dauernd in Bewegung. Er verläßt sogar die Skulptur, weist über sie hinaus und kehrt wieder zu ihr zurück. Durch Bewegung und Farbe löse ich die Körperlichkeit der Skulptur auf. Sie entmaterialisiert sich und ich habe die Empfindung, dass die Skulptur zu schweben scheint.

 

Malereien

Bewegung, Farbe und Energie sind für mich wieder Anlass, sich verstärkt mit der Malerei auseinanderzusetzen. Ab 1986 entsteht die Werkgruppe der »Sehstücke«. Es sind dies auf ein Jutegewebe gemalte Bilder, die die Körperlichkeit der Farbe/Pigmente und des Bildträgers betonen. In großen Fleckenformen/Punkten setze ich die Farbe auf die Bildfläche und dies nicht mit dem Pinsel sondern direkt mit den Händen. Die Bildräumlichkeit wird quasi ertastet. Bereits gesetzte Farbflecken werden von mir wieder weggenommen usw. Der Bildraum wird so schichtweise aufgebaut bis zu dem Punkt, an dem sich im Bild alle Elemente im Gleichgewicht halten und mir das Bild durch den langen Arbeitsprozess als Gegenwart erscheint. Da ich das Bild während des Arbeitsprozesses ständig drehe, ordnen sich die Farb-/Formsetzungen kreisförmig um die Bildmitte. Gleichzeitig treiben die in die Farbhaut eingekratzten Linien/Kerben die Bildbewegung vorwärts und akzentuieren das Gerüst des Bildes. Das Bild steht in ständiger Spannung von Bewegung und Ruhe, von setzen und wegnehmen, von auflösen und erscheinen, von Materie und Energie.

 

Zeichnungen, Kaltnadelradierungen

Im nächsten Schritt reduziere ich meine Bildfindung/meine Bildschaffung auf die Darstellung des Bildgerüstes. Es entstehen kleinformatige Zeichnungen und Kaltnadelradierungen. »Ich verzichte auf alles, bis auf den Strich und entwickele seltsame Linienverläufe....« schreibt Alfred Kubin in seinem Tagebuch und bezeichnet damit die künstlerische Bedeutung der LINIE innerhalb seines Werkes. Es ist eine Linie, die den dargestellten Gegenstand nur als Anlass ihrer freien Entfaltung nimmt und sich im Bild in eine andere Räumlichkeit, in eine andere Bedeutung hineinarbeitet. In meinen Blättern bezeichnet die Linie nichts. Sie kehrt ganz zu sich selbst zurück, verdichtet sich zu einem Linienknäuel, zu Energiepunkten oder bildet feine Verästelungen auf dem Blatt. Den Bildraum bzw. das Weiß des Blattes oder den Raum der Radierplatte ertaste ich langsam zeichnerisch mit der Hand und erschaffe eine räumliche Konstellation von Linienelementen, die sich zum einen als bildhafte Energielinien zeigen und zum anderen als in sich ruhende Linienräume. Während der Arbeit wird auch hier das Blatt ständig gedreht, bis dass die zeichnerische Konstruktion für mich einen Zustand des Schwebens und gleichzeitig eine feste Ausrichtung von oben und unten erreicht hat. Der schöpferische Prozess ist vergleichbar mit dem Sichtbarmachen eines Körpers und dessen Auflösung im Rhythmus der Linienelemente bzw. dessen Auflösung in Energie.

 

Laserinstallationen

Ausgehend vom bildnerischen Element der Linie, die sich in meinen Zeichnungen immer mehr in einer kraftvollen Energielinie zeigt, entdecke ich die Lasertechnik als ein für mich ideales Medium, meine Raum-/Zeitkonstruktionen zu verwirklichen.

Zeit: - Mit dem Einzug der Zeit hört der dreidimensionale Raum auf zu existieren. Die Welt wird zu einer aperspektivischen. Es ist der gekrümmte Raum, der plötzlich im Mittelpunkt des Interesse steht und der der wissenschaftlichen Erkenntnis entspricht. Schon Cézanne hat versucht, den sphärischen Raum in seinen Bildern zu verwirklichen. Sein Bildraum entsteht aus der Kurve und nicht aus der Geraden. Durchwandert der Betrachter sehend seinen Bildraum, betrachtet er die gemalten Gegenstände mal von oben, mal von unten oder von der Seite. Es existiert keine Zeitabfolge, keine lineare Zeit in der Darstellung, kein Nacheinander sondern Gleichzeitigkeit und Transparenz. Die zunehmende Bedeutung der Zeit und die damit eng verbundene Geschwindigkeit heben den Raum auf und lassen ihn im virtuellen Raum der Computernetzwerke zu Null hin schrumpfen. Überall steht alles sofort und ohne Distanz zur Verfügung. Der Maler und Bildhauer Lucio Fontana sah schon die fortwährende Dynamisierung im menschlichen Leben: »Von nun an orientiert sich die Entwicklung des Menschen eindeutig an einer Zeit und Raum umfassenden Dynamik. Aus der Malerei verschwinden schrittweise alle jene Elemente, die den Eindruck des Dynamischen verhindern.... Es gibt kein ruhiges Leben mehr. Der Begriff der Geschwindigkeit ist eine Konstante im menschlichen Leben.«


Zurück zu meinen Bildern, Skulpturen und Zeichnungen: Sie lassen sich sehend erfahren und beanspruchen jeweils ihre eigene Seh-Zeit, ihre eigene RaumZeit. Bei meinen ersten Arbeiten mit Licht handelt es sich um vorne offene Kuben (bis zu einer Größe von 1,8 m x 1,8 m x 1,8 m), in die der Laserstrahl hineingelenkt wird, der im Kubus unter Zuhilfenahme optischer Komponenten eine Raumzeichnung bildet. Im weiteren Arbeitsverlauf wird auf den gebauten Kubus verzichtet und eine Trägerskulptur für das Licht direkt in den Raum gestellt, auf der sich die Lichtzeichnung entfalten kann. Es schließen sich Licht-/Rauminstallationen an, die sich direkt auf den realen Raum, auf die Raumarchitektur beziehen und die im Gegensatz zu den Bildern und Skulpturen begehbar sind. Der Besucher eines solchen Lichtraumes befindet sich selbst mitten im Bildraum. Er steht nicht außen vor, sondern ist körperlich im Bild gegenwärtig. Bild, BildRaum und BildZeit erschließen sich für mich im BILDTRAUM.

Vielleicht ist es ein Paradoxon: Zum einen schaffe ich virtuelle Räume, zum anderen kann ich diese Lichträume mit meinem Körper begehen, wobei der Körper selbst noch als Projektionsfläche für das Licht dienen kann.

Die Materialität des realen Raumes wird durch die Bewegung und die Immaterialität des Laserlichtes in Frage gestellt und die festgefügten Raumteile beginnen zu schwingen. Sie werden in eine neue Lebendigkeit überführt und das Werk ist ständig dem Wandel von auflösen und erscheinen unterworfen. Zwar benutzt das Licht die Materialität als Träger, jedoch baut es sich seinen eigenen neuen Raum. Das Laserlicht verwandelt sowohl die Skulptur wie auch die Architektur und überführt beide in einen Zustand des Schwebens.

Mit Hilfe des Elementes Laserlicht versuche ich eine räumliche Konstellation zu verwirklichen, die den Raum rhythmisch strukturiert und den Zwischenraum, die Leere bzw. die Dunkelheit, als Kraftfeld erlebbar werden lässt.

Das Sehen wird zur Schau einer unbegrenzten energie- und lichthaften Beziehung. Meine Vision ist, energiegeladene ZeitRäume zu verwirklichen, in der Vergangenheit und Zukunft gegenwärtig koinzidieren, unaufhörlich auf dem Weg, der neue ZeitRäume erschließt.